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Scheiterhaufen, Schaubude und Schatztruhe
Die deutsche Sprache zeichnet sich aus durch ihre Unkaputtmachbarkeit. Sie ist schmiegsamer und an die jeweiligen Zeitverhältnisse leichter anpaßbar als z.B. die englische oder spanische. Im folgenden eine Bemerkung zur Verlustrechnung.
In alten Sprichwörtern und Redensarten leben sie noch, die überkommenen Bilder. Goldenes Kalb und Sündenbock verstehen zumindest die Gebildeten auf Anhieb. Das gesamte Personal mittelalterlicher Randständigkeit, selbst Flagellanten und Kreuzfahrer, Teufelsaustreiber und Hexenmeister, sie alle haben sich von realen Figuren der Alltagserfahrung in Bildgeber für psychische Zustände verwandelt. Das kollektive Gedächtnis hat sie gut verwahrt.
In höherem Maße verlustanfällig als das Alltagssprechen war die poetische Rede. Zugleich mit der Armut wurde auch der Aberglauben ausgerottet und mit ihm die traditionelle Rede von ihm. Nur im wahnhaften Wabern von Angst- und Wunsch-bildern, nur im mythogenen Nebel über einer tagtäglich lebensbedrohenden Armseligkeit konnten sich die Bilder halten, die vor aller ausgefeilten Begrifflichkeit das Dasein der Armen den Armen erklärten. Doch auch das Wissen, daß der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt, konnte denen, die schon am Hungertuch nagten, kein Licht aufgehen lassen und kaum noch auf den Magen schlagen. Für sie hieß es: Weiter zu Kreuze kriechen.
Was aus der Palette der Alltagssprache herausgebleicht ist, bedeutet nur für den Philologen keinen wahrer Verlust. Er hat Zugang zu den Wörterbüchern, in denen auch oder speziell all die Begriffe gesammelt sind, hinter die der Lexikograph ein obs(olet). setzen muß. Vielleicht braucht er, der Sprachkundige, Mähre und Schindluder nicht nachzuschlagen. Noch nicht. In dieser Generation nicht. Zu hoffen ist, daß unsere Dichter ungehemmt aus dem alten Fundus schöpfen und dafür sorgen, daß die Wörterbücher nicht zu liguistischen Friedhöfen verkommen. Als verschiedene Möglichkeiten poetischer Ausweitung der Ausdrucksmöglichkeiten auch in die Sprachvergangenheit hinein seien der vom Niederrhein stammende Erzählvirtuose Albert Vigoleis Thelen genannt und der Lyriker Thomas Kling, der auch am Niederrhein gelebt hat, mit seinem synapsn-slang. |
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